Prof. Dr. Bert Heinrichs

Bert Heinrichs
© Forschungszentrum Jülich

Professor für Ethik und Angewandte Ethik

Institut für Wissenschaft und Ethik (IWE), Universität Bonn

Leiter der Arbeitsgruppe "Neuroethik und Ethik der KI" 

Institut für Neurowissenschaften und Medizin: Gehirn und Verhalten (INM-7), Forschungszentrum Jülich

Aktuelles

März 2026: Heinrichs, Jan-Hendrik; Heinrichs, Bert: Verantwortungsvolle Forschung: Ein praxisorientierter Ansatz. Heidelberg: J.B. Metzler, 2026. 

https://doi.org/10.1007/978-3-662-72839-0

Wissenschaft und Forschung müssen heute klarer reflektieren und deutlicher erklären, was sie tun und warum sie es tun. Dies betrifft nicht nur die Verwendung von öffentlichen Ressourcen, sondern auch Forschungsziele und methodische Ansätze. Insbesondere sind Wissenschaft und Forschung sehr viel stärker als früher zu zeigen aufgefordert, dass ihr Handeln ethisch verantwortungsvoll ist. Dafür müssen ethische Grundprinzipien und verfassungsmäßige Grundrechte regelmäßig gegeneinander abgewogen werden. Heutzutage sind also bereits bei der konzeptionellen Planung ethische und rechtliche Abwägungsfragen mitzubedenken und überzeugend zu beantworten. Neben fachwissenschaftlicher Expertise benötigen Forschende deshalb auch forschungsethische sowie rechtliche Kenntnisse. Ein verbreiteter Ansatz, um verantwortungsvolle Forschung zu gewährleisten, besteht darin, Mechanismen der akademischen Selbstregulierungen zu implementieren. Dies führt dazu, dass Forschende vermehrt in Gremien tätig werden, die die Projekte von anderen Forschenden ethisch begutachten. Der vorliegende Band bietet deshalb einen praxisorientierten Ansatz, der es Forschenden ermöglichen soll, sowohl ethische Probleme ihrer eigenen Arbeit zu identifizieren als auch Begutachtungstätigkeiten zu übernehmen. Er führt in etablierte Konzepte zur Handhabung ethischer Herausforderungen ein und vermittelt auch erforderliches rechtliches Hintergrundwissen für die Teilhabe in Ethik-Gremien und Kommissionen. Schließlich erläutern die Autoren, wie diese Konzepte genutzt werden können, um zu überzeugenden Lösungen für eine verantwortungsvolle Forschung zu gelangen.

Februar 2026: Neuroethik – eine Bestandsaufnahme und ein Blick in die Zukunft

In diesem Beitrag präsentieren wir eine Bestandsaufnahme der Neuroethik. Anknüpfend an eine frühere Arbeit (Müller et al. 2018) markieren wir Kontinuitäten und beleuchten zentrale neue Entwicklungen. Insbesondere zeigen wir auf, dass die Neuroethik teilweise mit neuen inhaltlichen Herausforderungen konfrontiert ist, etwa durch das Zusammenspiel von Neurotechnologien und Künstlicher Intelligenz (KI). Darüber hinaus spielt die Frage des Umgangs mit Diversität eine wachsende Rolle: Die Neuroethik reflektiert zunehmend, inwiefern bestimmte gesellschaftliche Gruppen in der Forschung und im ethischen Diskurs unter- bzw. überrepräsentiert sind und welche blinden Flecken sich daraus ergeben. Damit verbunden wird eine globale Perspektive, die kulturelle Pluralität angemessen in Rechnung stellt, für die Neuroethik zunehmend bedeutsam. Abschließend weisen wir auf bestehende und neue Formen der Institutionalisierung und Vernetzungen hin, mit denen die scientific community auf diese Herausforderungen reagiert. Wir plädieren dafür, dass die Neuroethik verstärkt auf inklusive und partizipative Forschungskonzepte setzt.

Heinrichs, B., Diegelmann, D., Friedrich, O. et al. Neuroethik – eine Bestandsaufnahme und ein Blick in die Zukunft. Ethik Med (2026). https://doi.org/10.1007/s00481-026-00901-z  

Laufende Forschungsprojekte

Neuronale Organoide: Wissenschaftstheoretische, ethische und rechtliche Implikationen alternativer, aus Stammzellen gewonnener 3D-Modelle (NAWiStem3D)

Das Forschungsprojekt untersucht die epistemischen, ethischen und gesellschaftlichen Fragen in Zusammenhang mit aus Stammzellen generierten dreidimensionalen Modellen des Gehirns, den sogenannten neuronalen Organoiden. Diese werden für die Erforschung des menschlichen Nervensystems sowie der Entstehung neuropsychiatrischer Erkrankungen wie Autismus-Spektrum-Störungen oder der Alzheimer-Demenz verwendet und besitzen das Potential, künftig die Individualisierung von Therapien voranzubringen. Das Projekt zeichnet sich durch seinen interdisziplinären Ansatz aus und wird im engen Verbund mit Ethikern am Forschungszentrum Jülich durchgeführt.  

RHUNE. Research Hub Neuroethik. https://www.research-hub-neuroethics.net/de

Das Ziel des Research Hub Neuroethics (RHUNE) besteht darin, die Forschung im Bereich der Neuroethik in Deutschland untereinander besser zu vernetzen, den Austausch zu stimulieren, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern, die internationale Sichtbarkeit der Deutschen Forschung zu erhöhen und eine Kontaktstelle für außerakademische Akteure zu erschaffen, die an neuroethischen Themen Interesse haben.

InVirtuo 4.0. Erkenntnisgewinn in virtuellen Räumen. https://invirtuo.org/

InVirtuo 4.0 ist das neue interdisziplinäre Forschungsprofil der in-virtuo-Forschung in intensiver Kooperation von Forschenden aus Informatik, Medienwissenschaft, Kognitiven Neurowissenschaften und Klinischer Psychologie. Neben in-vivo-, in-vitro- und in-silico-Methoden werden in-virtuo-Experimente, in denen Menschen mit virtuellen Umgebungen interagieren, entscheidende Durchbrüche in der experimentellen Forschung ermöglichen.InVirtuo 4.0 wird die mit diesem intendierten Paradigmenwechsel einhergehenden medialen, sozialen und ethischen Problemstellungen aus medienwissenschaftlicher Perspektive adressieren und durch Kollaboration der beteiligten Disziplinen produktiv auf deren Arbeit an jeweils zentralen disziplinären Herausforderungen wirken. 

KI-basierte Gesundheitsvorsorge bei Kindern und Jugendlichen (AI-PHCA). www.ai-phca.de

Das AI-PHCA Projekt zielt darauf ab, Möglichkeiten zur Verbesserung der präventiven Gesundheitsversorgung bei Kindern und Jugendlichen durch künstliche Intelligenz (KI)-basierte Ansätze (Smartphone-Apps, webbasierte Anwendungen) in ethischer, rechtlicher und sozialer Hinsicht zu untersuchen.

Neuere Publikationen

  • Heinrichs, B. (2025). Varieties of Decision-Making. In: Ettinger, U., Heinrichs, B., Murawski, C. (eds) Decision Making. Studies in Neuroscience, Psychology and Behavioral Economics. Springer, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-032-00880-0_1 
  • Bruni, T., Heinrichs, B. (2025). Künstliche Intelligenz in der Behandlung von Diabetes bei minderjährigen Patienten – Ethische Aspekte. In: Pfannstiel, M.A. (eds) Künstliche Intelligenz im Einsatz für die erfolgreiche Patientenreise. Springer Gabler, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-48573-3_28 
  • Kerth, JL., Hagemeister, M., Bischops, A.C. et al. (2025). Artificial intelligence in the care of children and adolescents with chronic diseases: a systematic review. Eur J Pediatr 184, 83. https://doi.org/10.1007/s00431-024-05846-3
  • Wagner, R., & Heinrichs, B. (2024). Four notions of autonomy. Pitfalls of conceptual pluralism in contemporary debates. Human-Machine Communication, 9, 37–50. https://doi.org/10.30658/hmc.9.3
  • Raz, A., Heinrichs, B., Avnoon, N., Eyal, G., & Inbar, Y. (2024). Prediction and explainability in AI: Striking a new balance? Big Data & Society, 11(1). https://doi.org/10.1177/20539517241235871.
  • Reinhart, L., Bischops, AC., Kerth, JL et. al. (2024). Artificial intelligence in child development monitoring: A systematic review on usage, outcomes and acceptance. Intelligence-Based Medicine 9, 100134. https://doi.org/10.1016/j.ibmed.2024.100134.
  • Heinrichs, B. (2023). Artificial Intelligence and Rational Discourse. In: Sturma, Dieter (ed.): Mind and Time. Philosophical and Psychological Perspectives. Freiburg: Alber, 2023, 45-54.
  • Steckmann, U., Heinrichs, B. (2023). Künstliche Intelligenz und menschliches Maß. In: Loh, J., Grote, T. (eds) Medizin – Technik – Ethik. Berlin: J.B. Metzler. https://doi.org/10.1007/978-3-662-65868-0_2.
  • Heinrichs, B., Karger, C., Heyl, K. et al. (2023). Künstliche Intelligenz in der Medizin. MedR 41, 259–264. https://doi.org/10.1007/s00350-023-6432-x.
  • Rathkopf C, Heinrichs B. (2023). Learning to Live with Strange Error: Beyond Trustworthiness in Artificial Intelligence Ethics. Cambridge Quarterly of Healthcare Ethics. doi:10.1017/S0963180122000688.
  • Halsband, A., Heinrichs, B. (2022). AI, Suicide Prevention and the Limits of Beneficence. Philos. Technol. 35, 103. https://doi.org/10.1007/s13347-022-00599-z.
  • Heinrichs, B., Ergin Aslan, S. (2022). Is the Current Informed Consent Model Flawed?. In: Faintuch, J., Faintuch, S. (eds) Integrity of Scientific Research. Springer, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-030-99680-2_55.
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