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Wirtschaftsethik des Krankenhauses

Fachtagung am 6./7. Dezember 1996 in Bonn

 

Durch die Gesundheitsstrukturreformen der vergangenen Jahre hat sich die ökonomische Situation von Krankenhäusern in Deutschland stark verändert. Neben ihrer medizinisch-sozialen Leistungsfähigkeit steht plötzlich auch ihre Wirtschaftlichkeit auf dem Prüfstand. Krankenhäuser waren und sind gezwungen, Handlungsstrategien zu entwickeln, um sich diesen ungewohnten Rahmenbedingungen anzupassen. Dabei entstehen neue wirtschafts- und sozialethische Problemfelder, die z.B. die Ressourcenallokation oder die Patienten- und Mitarbeiterorientierung von Krankenhäusern betreffen.

Diese neuen ethischen Fragestellungen waren Anlass für das Institut für Wissenschaft und Ethik und die Caritas Trägergesellschaft Trier (CTT), eine Reihe von Fachtagungen zu veranstalten, die sich den genannten Problemfeldern widmet. Die erste dieser Tagungen fand unter dem Titel «Wirtschaftsethik des Krankenhauses» am 6./7. Dezember 1996 in Bonn statt.

Im Vordergrund des ersten Teils der Tagung standen die ökonomische Situation im Gesundheitswesen seit dem Strukturgesetz 1992 und die damit verbundenen ethischen Probleme. Eröffnet wurde die Tagung durch ein Referat von Professor Dr. Kurt Fleischhauer, Mediziner und Altrektor der Universität Bonn, über verschiedene in den USA und im europäischen Ausland entwickelte Modelle der Kostenbegrenzung durch Prioritätensetzung im Gesundheitswesen und über ihre ethischen Implikationen. Im Anschluss daran erläuterte Christoph Lang, Vorstandsassistent der Caritas Trägergesellschaft Trier, die mit dem Gesundheitsstrukturgesetz (GSG) eingeschlagene Strategie des Gesetzgebers, eine Kostenreduktion im Gesundheitswesen über die Gestaltung von Finanzierungsstrukturen zu erreichen. Die ethischen Problemfelder dieses Ansatzes diskutierte anschließend Professor Dr. Dieter Birnbacher, Philosophisches Institut der Universität Düsseldorf. In der folgenden Debatte zeigte sich, dass das Krankenhaus heute in einer doppelten Spannung steht: Das stets wachsende medizinische Leistungsangebot erweist sich zunehmend als nicht finanzierbar, und aus wirtschaftlichen Gründen ist der allgemeine sozialethische Auftrag des Krankenhauses nur in engen, aber noch unzureichend definierten Grenzen erfüllbar.

Im Mittelpunkt des zweiten Teils der Tagung standen ethische Entscheidungsprobleme in der ökonomischen Führung des Krankenhauses. Zunächst skizzierte Ralf Lunkenheimer, Geschäftsführer der Krankenanstalt Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier, einzelne dieser Problemfelder aus der Sicht eines Verwaltungsdirektors. Gemeinsam mit Professor Dr. Hans-Heinrich Hennekeuser, Vorstandsvorsitzender der Caritas Trägergesellschaft Trier, der zuvor aus seiner Perspektive als ehemaliger Ärztlicher Direktor eines Krankenhauses berichtete, hob er die Spannung zwischen den Normen der Berufsethik und denen der Wirtschaftsethik hervor. In der folgenden Podiumsdiskussion erörterten Professor Dr. Birnbacher und der Sozialethiker Professor Dr. Joachim Wiemeyer, Katholische Fachhochschule Osnabrück, die Probleme, die beim Versuch einer angemessenen Verknüpfung der beiden Normenfelder entstehen.

Im dritten Teil der Tagung, der unter der Überschrift Wirtschafts- und Sozialethik im Krankenhaus stand, beleuchtete Professor Dr. Joachim Wiemeyer zunächst die zentralen wirtschaftsethischen Aspekte der Führung eines Krankenhauses. Danach analysierte Theo Riegel, Abteilungsleiter stationäre Versorgung des Verbandes der deutschen Angestellten-Krankenkassen (VdAK), die systemgegebenen Normenkonflikte zwischen Kostenträger und Krankenhaus, die seiner Auffassung nach auch nicht durch den gemeinsamen gesellschaftlichen Auftrag gelöst werden können. Abschließend beleuchtete Professor Dr. Dieter Sadowski, Institut für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen Gemeinschaft an der Universität Trier, Vorstand der Caritas Trägergesellschaft Trier, die wechselseitigen Orientierungs- und Handlungszusammenhänge zwischen dem Krankenhaus und seinem Träger und erläuterte diese speziell am Beispiel eines christlichen Trägers, der Caritas Trägergesellschaft Trier.

In seinem Schlussfazit stellte Professor Dr. Ludger Honnefelder, Direktor des Instituts für Wissenschaft und Ethik, die zentralen Problemfelder dar, deren vorrangiger Klärungsbedarf während der Tagung deutlich geworden war. Dazu gehört insbesondere die Frage, an welchen ethischen Grenzen und an welchen Gerechtigkeitskriterien sich eine auf das notwendige Maß zu beschränkende gesundheitliche Versorgung zu orientieren hat. Hieran schließt sich die Frage an, wie die Zielsetzungen eines kirchlich getragenen Krankenhauses in die Bestimmung dieser Grenzen eingehen können.

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