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Anthropologische, ethische und rechtliche Aspekte des Umgangs mit menschlichen Keim- und Keimbahnzellen

  • Kurzbeschreibung:
    Die Debatte über die durch die neuen Methoden assistierter Reproduktion geschaffenen Handlungsmöglichkeiten hat sich bislang vornehmlich auf die Frage konzentriert, wie mit extrakorporal erzeugten menschlichen Embryonen umzugehen ist. Durch die neuen Methoden werden jedoch ebenso menschliche Keimzellen und Keimbahnzellen verfügbar. An ihnen können Eingriffe vorgenommen und sie können zu anderen Zwecken als der Behebung der Fertilitätsstörung eines individuellen Paares eingesetzt werden. So können diese Zellen anderen Personen zur Erfüllung ihres Kinderwunschs gespendet oder zu Forschungszwecken freigegeben werden. Sie können genetisch untersucht, verändert oder gezielt nach ihrem Erbgut für die Zeugung eines Kindes ausgewählt werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, aus Embryonen und Föten Keimbahnzellen zu gewinnen und aus diesen Keimzellen zu entwickeln. Zudem scheint absehbar, dass diese Zellen zukünftig auch in vitro aus menschlichen embryonalen Stammzellen erzeugt werden können.
    Rechtliche Regelungen für den Umgang mit diesen Zellen fehlen bislang weitgehend. Auch berufsethische Empfehlungen und Richtlinien gibt es nur für einzelne Teilbereiche. Seit geraumer Zeit wird daher die Entwicklung eines Fortpflanzungsmedizingesetzes gefordert, das den Umgang mit diesen Zellen auf der Grundlage einer einheitlichen Gesamtbewertung regulieren soll. Dazu bedarf es auch der Prüfung, ob die vorhandenen Regelungen angesichts gesellschaftlicher Veränderungen neu bewertet werden müssen oder ob sie unverändert bestehen bleiben können.
    Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel dieses philosophisch-juristischen Verbund-Projekts, Kriterien für einen angemessenen Umgang mit Keim- und Keimbahnzellen zu gewinnen. Die zentrale zu beantwortende Frage lautet, welche Schutzansprüche beim Umgang mit diesen Zellen berücksichtigt werden müssen.
    Drei Begründungshorizonte, aus denen sich Schutzansprüche ergeben können, sollen in diesem Projekt diskutiert werden: Zum ersten ist zu fragen, ob ihr Status   als nicht-somatische Zellen es rechtfertigt, sie als um ihrer selbst willen schutzwürdig anzusehen. Es soll geklärt werden, ob sich die für den Embryonenschutz vorgebrachten Gründe auch auf diese Zellen als diejenigen, aus denen die Embryonen hervorgehen, erstrecken lassen. Diese Untersuchung erfordert auch eine Analyse der in dieser Diskussion etablierten Begrifflichkeit und eine Beurteilung ihrer Tragfähigkeit in Anbetracht der neueren Entwicklungen in der Stammzellforschung und der Reproduktionsmedizin. Mit der Klärung des Status von Keim- und Keimbahnzellen soll des weiteren eine Grundlage für die Beantwortung der Frage geschaffen werden, welche Eigentums- und Verfügungsansprüche über diese Zellen den verschiedenen beteiligten Personen zustehen sollen. Betreffen diese deren genetische Veränderung im Rahmen assistierter Fortpflanzung, so ist hierfür ebenso der Gesichtspunkt des Wohls des zukünftigen Kindes relevant.
    Ein weiteres Problemfeld stellen die durch die neuen Techniken stark erweiterten Möglichkeiten der Aufspaltung von biologischer und sozialer Elternschaft dar sowie die Möglichkeit der zeitlichen Ausdehnung biologischer Elternschaft bis über den Tod desjenigen hinaus, von dem die Keimzellen stammen. Welcher Umgang mit Keim- oder Keimbahnzellen geboten ist, muss auch hier insbesondere mit Blick auf die Schutzansprüche des aus ihnen hervorgehenden Kindes diskutiert werden.
    Als dritter Begründungshorizont für Normen über den Umgang mit Keim- und Keimbahnzellen in der Reproduktionsmedizin kommt schließlich der Gesichtspunkt des Schutzes sozialer Institutionen in Betracht. Angesichts der gesellschaftlichen Pluralität von Lebens- und Partnerschaftsformen stellt sich hier vor allem die Frage, ob mit dem Verweis auf die Schutzwürdigkeit von Ehe und Familie Zugangsbeschränkungen zu den reproduktionsmedizinischen Techniken zu rechtfertigen sind.


  • Antragsteller:
    Prof. Dr. phil. Dr. h.c. Ludger Honnefelder
    Institut für Wissenschaft und Ethik, Bonn

    Dr. Christiane Woopen
    Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Köln

    Prof. Dr. Jochen Taupitz
    Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik der Universitäten Heidelberg und Mannheim

 

  • Förderung:
    Bundesministerium für Bildung und Forschung

 

  • Förderungszeitraum:
    September 2003 - August 2006

 

  • Bearbeitung:
    Dipl. Biol. Marianne Schark
    Institut für Wissenschaft und Ethik, Bonn
    Tel.: +49 (0)228 / 3364-19 20
    Fax: +49 (0)228 / 3364-19 50

    Ref. jur. Julia Schlüter
    Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik der Universitäten Heidelberg und Mannheim
    Tel.: +49 (0)621 / 181-1382
    Fax: +49 (0)621 / 181-1380
    E-Mail: jschluet@rumms.uni-mannheim.de
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