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Genese und Transformation genetischen Wissens

(im Rahmen der Forschergruppe Wissensformate:
Information - Kognition - Repräsentation)

 

  • Kurzbeschreibung:
    Mit der Sequenzierung des menschlichen Genoms wurde vom Humangenomprojekt auch der Grundstein für gendiagnostische Verfahren gelegt, mit deren Hilfe die individuelle genetische Ausstattung jedes einzelnen Menschen umfassender ermittelt werden kann als je zuvor. Diese Verfahren ermöglichen darüber hinaus die Aufdeckung genereller statistischer Zusammenhänge zwischen genotypischen und phänotypischen Merkmalsausprägungen. Genetisches Wissen dieser Art dient zunehmend als Grundlage von therapeutischem Handeln in der Medizin und von Entscheidungen im Bereich der individuellen Lebensplanung.
    Mit diesem Wissen befindet man sich jedoch erst ganz am Anfang bei der Beantwortung der Frage, wie Genotyp und Phänotyp eines Lebewesens zusammenhängen. Nach der Sequenzierung der Genome etlicher Arten erwartet die genetische Forschung den künftigen Fortschritt in dieser Frage von der inzwischen begonnenen Funktionsanalyse der Gene.
    In diesem Projekt soll geklärt werden, welcher Stellenwert dem von dieser Forschung generierten Wissen über das menschliche Genom im Hinblick auf die menschliche Selbstinterpretation zuzumessen ist, wenn dieses als Grundlage praktischer Entscheidungen herangezogen wird. Dazu sollen als erstes die allgemeinen biologischen Modelle und Grundannahmen zur Rolle der Gene im Organismus, von denen diese Forschung angeleitet und begleitet wird, einer wissenschaftsphilosophischen Untersuchung unterzogen werden. So sollen die Unterschiede herausgearbeitet werden, die zwischen der Genetik und der Physik als dem Paradigma einer auf Gesetzeswissen aufbauenden Naturwissenschaft bestehen. In diesem Zusammenhang gilt es, insbesondere das Kausalitäts-Denken in der Genetik zu überprüfen. Weiterhin sollen die zentralen Grundbegriffe der Genetik sowie die in der Wissenschaft und dem öffentlichen Diskurs über ihre Ergebnisse verwendeten Metaphern analysiert werden, mit dem Ziel einer Desambiguierung ihres Gebrauchs. Auf der Basis dieser Analyse des Wissens der Genetik soll beurteilt werden, wie die humangenetischen Informationen zu interpretieren sind, die als Grundlage therapeutischer und lebenspraktischer Entscheidungen herangezogen werden. Denn als was für eine Information die Auskunft über das persönliche genetische Profil verstanden wird, hängt von dem Interpretationsrahmen ab, in dessen Licht diese Daten interpretiert werden. Hier stellt sich das Problem, inwiefern hierfür in diesen Kontexten auf die naturwissenschaftlichen Modelle zur Genfunktion zurückgegriffen werden kann. Es gilt zu klären, welches die Bedingungen dafür sind, dass genetisches Wissen in unsere Selbstinterpretation aufgenommen werden kann, ohne zu einer szientistischen Revision unseres Selbstbilds zu führen.


  • Antragsteller:
    Dr. phil. Dirk Lanzerath
    Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften, Bonn

 

  • Förderung:
    Universität Bonn

 

  • Förderungszeitraum:
    Januar 2003 - Dezember 2004

 

  • Ansprechpartner:
    Dr. Marianne Schark
    Institut für Wissenschaft und Ethik, Bonn
    Tel.: +49 (0)228 / 3364-19 20
    Fax: +49 (0)228 / 3364-19 50
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